Risikoleben

Risikolebensversicherung für Selbstständige: Worauf achten?

SmartFinanz Redaktion·7 Min. Lesezeit

Als Selbstständiger trägst du eine besondere Verantwortung — nicht nur für dein Unternehmen, sondern auch für deine Familie und alle Menschen, die finanziell von dir abhängig sind. Während Angestellte zumindest teilweise durch gesetzliche Absicherungen aufgefangen werden, stehst du im Ernstfall oft allein da. Genau deshalb ist die Risikolebensversicherung für Selbstständige eines der wichtigsten Finanzinstrumente überhaupt. Doch was unterscheidet deinen Bedarf von dem eines Angestellten, worauf musst du beim Abschluss achten, und wie findest du die beste Lösung für deine persönliche Situation? Dieser Ratgeber gibt dir klare Antworten.


Warum Selbstständige besonders auf Absicherung angewiesen sind

Wer als Angestellter stirbt, hinterlässt seinen Angehörigen zumindest die gesetzliche Hinterbliebenenrente aus der Deutschen Rentenversicherung. Selbstständige hingegen zahlen in der Regel nicht in die gesetzliche Rentenversicherung ein — oder nur in geringem Umfang. Das bedeutet: Im Todesfall gibt es keine staatliche Rente für die Witwe oder den Witwer, keine Waisenrente für die Kinder. Die Familie steht ohne laufendes Einkommen da.

Hinzu kommt eine weitere Besonderheit: Viele Selbstständige haben geschäftliche Schulden, Betriebskredite oder Investitionsdarlehen, die im Todesfall weiterhin bedient werden müssen. Wenn ein Unternehmen plötzlich ohne seinen Inhaber dasteht, können Verbindlichkeiten in fünf- oder sechsstelliger Höhe auf die Erben übergehen — sofern sie die Erbschaft nicht ausschlagen.

Ein Beispiel: Thomas, 38 Jahre alt, betreibt eine Werbeagentur mit fünf Angestellten. Er hat einen Bankkredit über 150.000 Euro für neue Technik aufgenommen und zahlt monatlich 3.200 Euro Miete für sein Büro. Seine Frau arbeitet in Teilzeit und betreut ihre zwei Kinder. Stirbt Thomas ohne Absicherung, droht der Konkurs der Agentur und die Familie verliert nicht nur das Einkommen, sondern steht möglicherweise auch noch mit Schulden da.

Eine Risikolebensversicherung mit einer ausreichend hohen Versicherungssumme kann genau dieses Szenario verhindern.


Die richtige Versicherungssumme ermitteln

Die häufigste Frage lautet: Wie viel Versicherungssumme brauche ich? Als Faustregel gilt für Angestellte oft das Drei- bis Fünffache des Bruttojahreseinkommens. Für Selbstständige reicht diese Formel jedoch nicht aus.

Du solltest folgende Faktoren berücksichtigen:

Privatbereich:

  • Laufende Lebenshaltungskosten der Familie (Miete oder Kreditrate, Lebensmittel, Versicherungen, Schulgebühren)
  • Hypothek oder Immobilienkredit
  • Wünsche und Pläne für Kinder (Ausbildung, Studium)

Geschäftsbereich:

  • Offene Betriebskredite und Investitionsdarlehen
  • Verbindlichkeiten gegenüber Lieferanten
  • Eventuelle Kosten für einen Nachfolger oder Liquidation

Nehmen wir das Beispiel von Thomas weiter: Seine Frau bräuchte monatlich etwa 3.500 Euro für zehn Jahre, um die Kinder großzuziehen — das sind 420.000 Euro. Dazu kommen der Betriebskredit von 150.000 Euro und der Immobilienkredit von 180.000 Euro. Insgesamt wäre eine Versicherungssumme von rund 750.000 Euro sinnvoll. Das klingt viel, ist aber bei einer Risikolebensversicherung oft günstiger als erwartet.

Mit einem Risikoleben-Vergleich kannst du schnell herausfinden, welche Anbieter solche Summen zu welchen Konditionen anbieten — und dabei erheblich sparen.


Besondere Klauseln und Vertragsdetails für Selbstständige

Nicht jede Risikolebensversicherung ist gleich. Als Selbstständiger solltest du besonders auf folgende Vertragsdetails achten:

Nachversicherungsgarantie

Dein Absicherungsbedarf kann sich stark verändern: neue Kredite, Unternehmenswachstum, weitere Kinder. Eine Nachversicherungsgarantie erlaubt es dir, die Versicherungssumme ohne erneute Gesundheitsprüfung zu erhöhen — zum Beispiel bei der Aufnahme eines neuen Betriebskredits. Das ist für Selbstständige besonders wertvoll, weil sich ihre finanzielle Situation oft schnell und deutlich verändert.

Flexible Laufzeiten

Kläre, ob die Laufzeit deiner Versicherung zu deinen geschäftlichen Plänen passt. Hast du einen Kredit mit 20 Jahren Laufzeit, sollte die Versicherung mindestens genauso lange laufen. Manche Tarife bieten auch die Möglichkeit, die Laufzeit später zu verlängern.

Beitragsfreistellung bei wirtschaftlichen Engpässen

Als Selbstständiger weißt du: Es gibt Monate, in denen das Geld knapp ist. Einige Versicherer bieten die Möglichkeit, Beiträge zeitweise auszusetzen oder zu stunden, ohne dass der Versicherungsschutz erlischt. Das ist ein oft unterschätzter Vorteil.

Verbundene oder getrennte Policen für Paare

Arbeiten du und dein Partner gemeinsam im Unternehmen, kannst du entweder eine verbundene Police abschließen — die zahlt beim ersten Todesfall — oder zwei getrennte Policen. Zwei getrennte Policen sind in der Regel die bessere Wahl, weil sie mehr Flexibilität bieten und im Gesamtfall beide Risiken abdecken.

Gesundheitsfragen ehrlich beantworten

Das ist keine Empfehlung, sondern ein rechtlicher Hinweis: Wer bei den Gesundheitsfragen unehrlich ist, riskiert, dass die Versicherung im Todesfall nicht zahlt. Das würde die ganze Absicherungsstrategie zunichte machen. Sei also vollständig ehrlich — auch wenn du gewisse Vorerkrankungen hast. Viele Versicherer bieten trotzdem Schutz an, manchmal mit einem Risikozuschlag.


Steuerliche Aspekte für Selbstständige

Hier gibt es eine wichtige Unterscheidung: Der Beitrag zur Risikolebensversicherung ist in Deutschland in der Regel nicht als Betriebsausgabe absetzbar — es sei denn, der Versicherungsschutz dient eindeutig dem Betrieb und nicht privaten Zwecken. Das ist ein Grenzbereich, der mit einem Steuerberater geklärt werden sollte.

Was jedoch gilt: Die Beiträge können im Rahmen der Sonderausgaben steuerlich berücksichtigt werden, allerdings zusammen mit anderen Vorsorgeaufwendungen — und diese Töpfe sind schnell ausgeschöpft. Für die meisten Selbstständigen ergibt sich daher kein wesentlicher steuerlicher Vorteil.

Denk aber auch daran: Eine Risikolebensversicherung ersetzt keine vollständige Altersvorsorge. Wer seinen Rentenlücken-Rechner nutzt, stellt oft fest, dass er neben dem Todesfallschutz auch im Bereich der Altersvorsorge erheblichen Nachholbedarf hat — beides sollte parallel angegangen werden.


Kosten und Tarifvergleich: So sparst du bares Geld

Die gute Nachricht: Risikolebensversicherungen gehören zu den günstigsten Versicherungsprodukten überhaupt — gemessen am Schutz, den sie bieten. Ein 35-jähriger Nichtraucher in gutem Gesundheitszustand zahlt für eine Versicherungssumme von 500.000 Euro und eine Laufzeit von 20 Jahren je nach Anbieter zwischen 25 und 55 Euro im Monat. Das ist ein enormer Preisunterschied für ein und denselben Schutz.

Die Prämie hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Alter beim Abschluss: Je jünger, desto günstiger
  • Gesundheitszustand und Vorerkrankungen
  • Raucherstatus: Raucher zahlen teilweise doppelt so viel
  • Versicherungssumme und Laufzeit
  • Beruf: Manche Berufe gelten als risikoreicher (z.B. Dachdecker, Taucher, Pilot)

Als Selbstständiger solltest du deinen Beruf im Antrag korrekt angeben. Wenn du als Bürokaufmann selbstständig bist, wirst du anders eingestuft als ein selbstständiger Bauunternehmer, der täglich auf Baustellen unterwegs ist.

Um die Angebote sinnvoll zu vergleichen, lohnt sich auch ein Blick auf deinen gesamten finanziellen Überblick. Der SmartFinanz-Score hilft dir dabei, deine aktuelle Situation einzuschätzen und Prioritäten bei der Absicherung zu setzen.

Ein weiterer Tipp: Wer parallel zur Risikolebensversicherung auch eine Berufsunfähigkeitsversicherung benötigt — was für Selbstständige fast immer sinnvoll ist — sollte beide Produkte im Zusammenhang betrachten. Ein BU-Vergleich zeigt dir, welche Anbieter beide Produkte kombiniert anbieten und wo du durch ein Paket sparen kannst.


Fazit: Absicherung als unternehmerische Pflicht

Als Selbstständiger trägst du Verantwortung — für deine Kunden, deine Mitarbeiter und vor allem für deine Familie. Die Risikolebensversicherung ist eine der wenigen Absicherungen, die im schlimmsten Fall wirklich den Unterschied machen kann: zwischen finanzieller Stabilität für die Hinterbliebenen und dem drohenden Ruin.

Kläre zunächst deinen genauen Bedarf — privat und geschäftlich. Wähle eine ausreichend hohe Versicherungssumme, achte auf Klauseln wie die Nachversicherungsgarantie, und vergleiche die Tarife sorgfältig. Je früher du handelst, desto günstiger wird der Schutz für dich.


Häufige Fragen

Muss ich als Selbstständiger eine Risikolebensversicherung haben?

Es gibt keine gesetzliche Pflicht, aber für Selbstständige mit Familie, geschäftlichen Schulden oder Mitarbeitern ist sie fast unverzichtbar. Da du nicht in das gesetzliche Absicherungssystem einzahlst, musst du privat vorsorgen — die Risikolebensversicherung ist dafür eine der effektivsten Möglichkeiten.

Wie hoch sollte die Versicherungssumme für Selbstständige sein?

Als Richtwert gilt: mindestens das Fünffache des Jahresnettoeinkommens plus alle offenen privaten und geschäftlichen Schulden. Bei komplexen Situationen empfiehlt sich eine individuelle Berechnung, zum Beispiel durch einen unabhängigen Versicherungsberater.

Kann ich die Beiträge zur Risikolebensversicherung von der Steuer absetzen?

Nur eingeschränkt — die Beiträge zählen zu den Sonderausgaben im Bereich Vorsorgeaufwendungen, deren Höchstgrenzen für Selbstständige jedoch häufig bereits durch andere Versicherungen ausgeschöpft sind. Als Betriebsausgabe ist der Beitrag in der Regel nicht abzugsfähig. Lass dich von einem Steuerberater individuell beraten.

Was passiert mit der Risikolebensversicherung, wenn ich mein Unternehmen aufgebe?

Die Versicherung bleibt bestehen — sie ist unabhängig von deinem Berufsstatus. Du kannst sie weiterführen, die Laufzeit anpassen oder kündigen. Im Falle einer Kündigung erhältst du allerdings keine Rückzahlung, da die Risikolebensversicherung — anders als eine Kapitallebensversicherung — keinen Sparanteil enthält.

Fragen zum Thema? Frag Mel — sie hilft dir weiter.

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