Deine Rentenlücke berechnen

Finde heraus, wie viel dir im Alter fehlen könnte — und was du dagegen tun kannst.

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67

z.B. bAV, Riester, private Rente

Gib dein Bruttoeinkommen ein, um deine Rentenlücke zu berechnen.

Hinweis: Diese Berechnungen sind vereinfacht und dienen ausschließlich der Orientierung. Die tatsächliche Rentenhöhe hängt von zahlreichen individuellen Faktoren ab (Beitragsjahre, Rentenreformen, Inflation, persönliche Steuersituation). Für eine verbindliche Rentenauskunft wende dich an die Deutsche Rentenversicherung. Dieser Rechner stellt keine Finanz- oder Anlageberatung dar.

Stand: 2026 · Letzte Aktualisierung: 2026-03-20 · Alle Angaben ohne Gewähr.

Das solltest du wissen

Rentenlücke verstehen

01.1

Was ist die Rentenlücke?

Die Rentenlücke beschreibt die Differenz zwischen deinem letzten Nettoeinkommen und der gesetzlichen Rente, die du im Alter tatsächlich erhältst. Sie zeigt dir, wie viel Geld dir monatlich fehlt, um deinen gewohnten Lebensstandard zu halten. Das Rentenniveau liegt 2026 bei rund 48 % des Durchschnittseinkommens — das bedeutet: Selbst wer sein ganzes Leben lang durchschnittlich verdient und 45 Jahre einzahlt, bekommt als Rente weniger als die Hälfte seines letzten Bruttogehalts.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Die durchschnittliche gesetzliche Rente liegt bei etwa 1.100 Euro netto für Männer in Westdeutschland und ca. 800 Euro für Frauen. Wer im Berufsleben 2.500 bis 3.500 Euro netto gewohnt war, steht im Alter vor einer empfindlichen Lücke. Selbst mit einem überdurchschnittlichen Einkommen wird die gesetzliche Rente den bisherigen Lebensstandard nicht annähernd abdecken.

Faustregel: Pro 1.000 € Brutto → ca. 34 € Rente (1 Entgeltpunkt = 39,32 €). Bei 4.000 € brutto → 1.370 € Rente, Bedarf 2.500 € → Lücke: 1.130 € pro Monat.

Betroffen ist nahezu jeder: Angestellte mit Durchschnittseinkommen ebenso wie Gutverdiener, die an die Beitragsbemessungsgrenze stoßen. Besonders groß ist die Lücke bei Selbstständigen ohne Pflichtversicherung, Teilzeitbeschäftigten und Menschen mit unterbrochenen Erwerbsbiografien. Auch wer heute komfortabel lebt, unterschätzt häufig, wie stark die Rente hinter dem aktuellen Einkommen zurückbleibt.

Hinzu kommt: Viele Kosten sinken im Alter nicht so stark wie erhofft. Miete, Gesundheitskosten und Lebenshaltung bleiben hoch — oft steigen sie sogar. Wer seine Rentenlücke nicht aktiv schließt, riskiert im Ruhestand finanzielle Engpässe oder muss seinen Lebensstandard spürbar einschränken.

01.2

Inflation & Kaufkraftverlust

Inflation ist der stille Feind jeder Altersvorsorge. Selbst bei einer moderaten Inflationsrate von 2 % pro Jahr verliert Geld über Jahrzehnte massiv an Kaufkraft. Konkret bedeutet das: 1.500 Euro haben in 30 Jahren nur noch eine Kaufkraft von rund 900 Euro. Was heute für einen komfortablen Lebensstandard reicht, deckt in der Zukunft kaum noch die Grundbedürfnisse.

ZeitraumBei 2 % InflationBei 3 % Inflation
Nach 10 Jahren1.230 €1.117 €
Nach 20 Jahren1.007 €831 €
Nach 30 Jahren825 €618 €
Nach 40 Jahren676 €460 €

Denke bei der Altersvorsorge immer in heutiger Kaufkraft. Wenn du in 30 Jahren 2.500 € monatlich brauchst, entspricht das bei 2 % Inflation einem nominalen Bedarf von über 4.500 €. Plane deine Vorsorge so, dass sie die Inflation ausgleicht.

Besonders tückisch: Die gesetzliche Rente wird zwar regelmäßig angepasst, doch die Rentenanpassungen halten historisch nicht immer mit der tatsächlichen Inflation Schritt. Private Vorsorge in Sachwerten wie Aktien oder Immobilien bietet hier einen natürlichen Inflationsschutz, da diese Anlageklassen langfristig mit der Inflation wachsen oder sie sogar übertreffen.

Gesetzliche Rente erklärt

02.1

Die Rentenformel

Die Höhe der gesetzlichen Rente wird nach einer festen Formel berechnet: Entgeltpunkte × Zugangsfaktor × Rentenwert × Rentenartfaktor. Jeder dieser vier Faktoren hat eine eigene Bedeutung und beeinflusst deine spätere Rente direkt.

Entgeltpunkte (EP) spiegeln dein Einkommen im Verhältnis zum Durchschnitt wider. Verdienst du genau das Durchschnittsentgelt (2026: 45.358 €), erhältst du einen Entgeltpunkt pro Jahr. Der Zugangsfaktor liegt bei 1,0 wenn du zur Regelaltersgrenze in Rente gehst. Für jeden Monat Frühverrentung werden 0,3 % abgezogen, für jeden Monat Aufschub 0,5 % addiert. Der Rentenwert (aktuell 39,32 €) bestimmt den Euro-Betrag pro Entgeltpunkt. Der Rentenartfaktor ist 1,0 für die reguläre Altersrente.

KennzahlWert 2026
Aktueller Rentenwert39,32 €
Durchschnittsentgelt45.358 €
Beitragssatz18,6 %
Regelaltersgrenze67 Jahre
Beitragsbemessungsgrenze8.450 €/Monat

Rechenbeispiel: Wer 40 Jahre lang das Durchschnittsentgelt verdient, sammelt 40 Entgeltpunkte. Bei Renteneintritt zur Regelaltersgrenze ergibt das: 40 × 1,0 × 39,32 € × 1,0 = 1.572,80 € brutto monatlich. Nach Abzug von Kranken- und Pflegeversicherung sowie Steuern bleiben davon etwa 1.250–1.350 € netto.

Deine persönlichen Entgeltpunkte findest du in der Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung. Online kannst du deinen aktuellen Stand unter meine-rente.de einsehen und prüfen.

02.2

Rentenbesteuerung

Die Besteuerung der gesetzlichen Rente folgt dem Prinzip der nachgelagerten Besteuerung: Beiträge werden zunehmend steuerfrei eingezahlt, dafür wird die Rente im Alter besteuert. Für Neurentner im Jahr 2026 sind 86 % der Rente steuerpflichtig. Dieser Anteil steigt jährlich und erreicht ab dem Rentenjahrgang 2058 volle 100 %.

Rechenbeispiel: Bei einer Bruttorente von 1.600 € monatlich (19.200 € jährlich) und einem Besteuerungsanteil von 86 % sind 16.512 € steuerpflichtig. Nach Abzug des Grundfreibetrags von 12.348 € (2026) bleiben 4.164 € zu versteuerndes Einkommen. Darauf fallen je nach Situation nur wenige hundert Euro Steuern an — viele Rentner mit nur gesetzlicher Rente zahlen wenig oder keine Einkommensteuer.

Auch Rentner zahlen Kranken- und Pflegeversicherung: zusammen ca. 11 % der Bruttorente. Das wird direkt von der Rente abgezogen und reduziert den ausgezahlten Betrag spürbar.

Wer neben der gesetzlichen Rente weitere Einkünfte hat — Betriebsrente, Riester, Mieteinnahmen oder Kapitalerträge — kann schnell über den Grundfreibetrag kommen. In diesem Fall steigt die Steuerlast deutlich. Es lohnt sich, die steuerliche Situation im Alter frühzeitig zu planen und verschiedene Einkunftsarten steueroptimal zu kombinieren.

02.3

Erwerbsminderungsrente

Die Erwerbsminderungsrente (EMR) springt ein, wenn du aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr oder nur noch eingeschränkt arbeiten kannst. Es gibt zwei Stufen: Die volle Erwerbsminderungsrente erhältst du, wenn du weniger als 3 Stunden täglich arbeiten kannst. Die teilweise Erwerbsminderungsrente (halber Satz) greift bei einer Restarbeitsfähigkeit von 3 bis 6 Stunden täglich.

Die durchschnittliche volle Erwerbsminderungsrente beträgt lediglich rund 950 Euro pro Monat — ein Betrag, der für die meisten Menschen nicht zum Leben reicht. Bei der Berechnung wird eine sogenannte Zurechnungszeit angewendet: Die Rentenversicherung tut so, als hättest du bis zur Regelaltersgrenze weiter eingezahlt. Trotzdem bleibt die EMR weit unter dem letzten Einkommen, da die Zurechnungszeit auf dem bisherigen Durchschnitt basiert.

Die Erwerbsminderungsrente ist kein Ersatz für eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU). Die EMR hat deutlich strengere Voraussetzungen — sie prüft nicht, ob du deinen erlernten Beruf ausüben kannst, sondern ob du überhaupt irgendeine Tätigkeit verrichten kannst. Eine BU-Versicherung schützt gezielt dein Einkommen bei Berufsunfähigkeit.

Voraussetzung für die EMR: mindestens 5 Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt und davon in den letzten 5 Jahren vor Eintritt mindestens 3 Jahre Pflichtbeiträge. Lücken in der Erwerbsbiografie können dazu führen, dass kein Anspruch besteht. Es ist daher wichtig, den eigenen Versicherungsverlauf regelmäßig zu prüfen.

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Vorsorge-Optionen im Detail

03.1

Riester-Rente

Die Riester-Rente ist eine staatlich geförderte Altersvorsorge, die sich vor allem an Arbeitnehmer richtet, die in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert sind. Der Staat zahlt eine Grundzulage von 175 Euro pro Jahr sowie 300 Euro für jedes kindergeldberechtigte Kind. Um die volle Förderung zu erhalten, musst du mindestens 4 % deines sozialversicherungspflichtigen Vorjahreseinkommens einzahlen (abzüglich der Zulagen). Zusätzlich können Riester-Beiträge bis zu 2.100 Euro jährlich als Sonderausgaben steuerlich geltend gemacht werden.

Familienbeispiel: Eine Familie mit einem Verdiener (35.000 € brutto) und zwei Kindern zahlt den Mindestbeitrag von 4 % = 1.400 € abzüglich Zulagen (175 € + 2 × 300 € = 775 €). Der Eigenbeitrag liegt also bei nur 625 € pro Jahr, also gut 52 € im Monat. Dafür fließen insgesamt 1.400 € in die Vorsorge — ein effektiver Zuschuss von über 55 %.

Allerdings hat Riester auch Nachteile: Viele Riester-Produkte haben hohe Verwaltungskosten, die die Rendite erheblich schmälern. Die garantierte Beitragserhaltung zwingt Anbieter zu konservativen Anlagestrategien mit niedrigen Renditen. Außerdem besteht eine Verrentungspflicht — das angesparte Kapital muss (mit Ausnahme von 30 % Teilauszahlung) als lebenslange Rente ausgezahlt werden, was bei ungünstigen Tarifen wenig Flexibilität bietet.

Riester lohnt sich am meisten für Geringverdiener mit Kindern. Hier ist die Förderquote am höchsten. Für Singles mit hohem Einkommen sind ETF-Sparpläne oder Rürup oft die bessere Wahl.

03.2

Rürup-Rente (Basisrente)

Die Rürup-Rente (Basisrente) wurde speziell für Selbstständige und Freiberufler konzipiert, die keinen Zugang zu Riester haben. Sie ist aber auch für Arbeitnehmer mit hohem Einkommen interessant, da sie erhebliche Steuervorteile bietet. Ab 2026 sind Beiträge zu 100 % als Sonderausgaben absetzbar — bis maximal 27.566 Euro für Singles und 55.132 Euro für Verheiratete.

Bei einem Grenzsteuersatz von 42 % bedeutet das eine Steuerersparnis von bis zu 11.578 Euro pro Jahr. Diese Steuerersparnis macht Rürup zu einem der wirksamsten Werkzeuge der steuerbegünstigten Altersvorsorge. Besonders für Selbstständige, die keine gesetzliche Rentenversicherung haben, bietet Rürup eine solide Basisabsicherung mit Insolvenzschutz.

Wichtig zu wissen: Rürup-Verträge sind nicht kündbar, nicht beleihbar, nicht vererbbar und nicht übertragbar. Das angesparte Kapital wird ausschließlich als lebenslange Rente ausgezahlt — frühestens ab dem 62. Lebensjahr. Wer Flexibilität und Kapitalzugang schätzt, sollte daher Rürup nur als einen Baustein im Vorsorge-Mix betrachten und nicht sein gesamtes Vorsorgebudget dort binden.

Moderne fondsgebundene Rürup-Tarife ermöglichen eine Aktienanlage innerhalb des Vertrags, was langfristig deutlich höhere Renditen ermöglicht als klassische Rürup-Policen mit Garantiezins. Achte bei der Auswahl auf niedrige Effektivkosten (unter 1 % p.a.) und ein breites ETF-Fondsangebot.

03.3

Betriebliche Altersvorsorge (bAV)

Die betriebliche Altersvorsorge (bAV) ist ein oft unterschätzter Vorsorgebaustein. In Deutschland gibt es fünf Durchführungswege: Direktversicherung, Pensionskasse, Pensionsfonds, Unterstützungskasse und Direktzusage. Am verbreitetsten ist die Entgeltumwandlung über eine Direktversicherung, bei der du einen Teil deines Bruttogehalts in die Altersvorsorge umwandelst.

2026 gelten folgende Fördergrenzen: Bis zu 302 Euro monatlich (4 % der BBG) sind sozialversicherungsfrei, bis zu 604 Euro (8 % der BBG) sind steuerfrei. Der Arbeitgeber ist seit 2022 verpflichtet, bei Neuverträgen einen Zuschuss von mindestens 15 % des umgewandelten Entgelts zu leisten, sofern er durch die Entgeltumwandlung Sozialversicherungsbeiträge spart.

Rechenbeispiel: Du wandelst 200 € brutto monatlich um. Durch die Steuer- und SV-Ersparnis kostet dich das netto nur etwa 100 €. Dein Arbeitgeber legt 15 % drauf, also 30 €. Es fließen somit 230 € in deine bAV — für nur 100 € Nettoeinsatz. Das entspricht einem sofortigen Renditevorsprung von 130 %.

Prüfe, ob dein Arbeitgeber mehr als die gesetzlichen 15 % zuschießt. Manche Unternehmen bieten 20–50 % Zuschuss oder sogar eine vollständig arbeitgeberfinanzierte bAV. Frage aktiv in der Personalabteilung nach — das kann mehrere hundert Euro im Monat zusätzlich bedeuten.

03.4

ETF-Sparplan als Altersvorsorge

Ein ETF-Sparplan (Exchange Traded Fund) ist für viele die flexibelste und renditestärkste Form der Altersvorsorge. Breit gestreute Welt-ETFs wie der MSCI World haben historisch eine durchschnittliche Rendite von 7–8 % pro Jahr erzielt. Im Gegensatz zu Versicherungsprodukten behältst du die volle Kontrolle über dein Kapital: Du kannst jederzeit Beträge anpassen, pausieren oder entnehmen.

SparrateNach 20 JahrenNach 30 JahrenNach 40 Jahren
100 €/Monat52.093 €121.997 €264.012 €
200 €/Monat104.186 €243.994 €528.024 €
500 €/Monat260.464 €609.985 €1.320.060 €

Die 4-%-Regel besagt: Du kannst jährlich 4 % deines Kapitals entnehmen, ohne es über einen Zeitraum von 30 Jahren aufzubrauchen. Bei 300.000 € Kapital entspricht das 1.000 € im Monat. Natürlich gibt es Risiken: Kursschwankungen, Steueränderungen und die Disziplin, über Jahrzehnte durchzuhalten. Doch historisch betrachtet hat ein breit diversifiziertes Portfolio jede Krise überstanden.

Der MSCI World hat in seiner gesamten Geschichte über keinen beliebigen 15-Jahres-Zeitraum Verlust gemacht — selbst wenn du zum ungünstigsten Zeitpunkt eingestiegen wärst. Zeit im Markt schlägt Market Timing.

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Rente nach Alter optimieren

04.1

Mit 25 — Der Zinseszins-Turbo

Mit 25 hast du den größten Vorteil, den es in der Altersvorsorge gibt: Zeit. Der Zinseszinseffekt entfaltet seine volle Wirkung erst über Jahrzehnte — und je früher du anfängst, desto mächtiger wird er. Wer mit 25 beginnt, 100 € monatlich bei 7 % Rendite anzulegen, kommt bis zum Rentenalter (67) auf rund 310.000 € — bei nur 50.400 € eigenem Einsatz. Das bedeutet: Über 80 % des Endvermögens sind Zinsen und Zinseszinsen.

Die Prioritäten in diesem Alter sind klar: 1. Notgroschen aufbauen (3 Monatsgehälter), 2. Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen (jung = günstig und gesund = einfache Gesundheitsprüfung), 3. ETF-Sparplan starten — auch wenn es nur 50 € im Monat sind, 4. Riester oder bAV prüfen, wenn Zulagen oder AG-Zuschuss attraktiv sind.

Fehler in diesem Alter wiegen besonders schwer: Wer 10 Jahre wartet und erst mit 35 startet, muss für das gleiche Ergebnis mehr als doppelt so viel monatlich einzahlen. Jedes Jahr zählt — selbst kleine Beträge. Starte lieber mit 50 € als gar nicht.

04.2

Mit 35 — Strukturen schaffen

Mit 35 ist es Zeit, die Altersvorsorge zu strukturieren und breiter aufzustellen. In diesem Alter steigt typischerweise das Einkommen, viele gründen eine Familie, und die finanzielle Verantwortung wächst. Wer jetzt 250 € monatlich bei 7 % Rendite anlegt, erreicht bis zum Rentenalter (67) etwa 340.000 € — genug, um nach der 4-%-Regel rund 1.130 € im Monat zu entnehmen.

Jetzt ist der Zeitpunkt, ergänzende Bausteine einzuführen: Riester wird mit Kindern durch die Zulagen besonders attraktiv. Die bAV lohnt sich, wenn der Arbeitgeber mehr als 15 % zuschießt. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist jetzt dringend, falls noch nicht vorhanden — mit jedem Jahr wird sie teurer und die Gesundheitsprüfung schwieriger.

Für junge Familien ist außerdem eine Risikolebensversicherung sinnvoll, um den Partner und die Kinder abzusichern. Die Kosten sind gering (10–20 €/Monat für 200.000 € Versicherungssumme), der Schutz im Ernstfall existenziell. Plane auch hier vorausschauend: Welche Einnahmen fallen weg, wenn ein Partner stirbt? Welche Kosten bleiben?

04.3

Mit 45 — Halbzeit ehrlich rechnen

Mit 45 bist du in der Halbzeit deines Berufslebens — jetzt ist der richtige Moment für eine ehrliche Bestandsaufnahme. Hole deine aktuelle Renteninformation heraus und rechne konkret: Wie hoch wird deine gesetzliche Rente voraussichtlich sein? Wie viel kommt aus betrieblicher und privater Vorsorge? Und wie groß ist die verbleibende Lücke?

Überprüfe alte Verträge kritisch: Viele Lebensversicherungen und Riester-Verträge aus den 2000er-Jahren haben hohe Kosten und niedrige Renditen. Ein Wechsel oder eine Beitragsfreistellung kann sinnvoll sein, wenn die Kosten die Rendite auffressen. Für Selbstständige ist Rürup jetzt besonders interessant, da das Einkommen oft am höchsten ist und die Steuerersparnis maximal ausfällt.

Dies ist auch der Moment, eine eventuelle Immobilie im Vorsorge-Mix zu bewerten: Wie hoch ist die Restschuld? Wann ist sie abbezahlt? Welche Instandhaltungskosten kommen? Eine schuldenfreie Immobilie im Rentenalter spart 500–1.000 € Miete — das entspricht einem Kapital von 150.000–300.000 €. Jetzt sind die letzten großen Korrekturen möglich.

04.4

Mit 55 — Optimieren statt neu starten

Mit 55 geht es nicht mehr darum, von vorn anzufangen, sondern das Vorhandene zu optimieren. Die wichtigsten Hebel: Plane deine Entnahmestrategie — wann brauchst du welches Kapital, und in welcher Reihenfolge zapfst du welche Quellen an? Reduziere Kosten in bestehenden Verträgen und konsolidiere, wo möglich.

Ab 50 besteht die Möglichkeit, freiwillige Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen, um Abschläge bei vorzeitigem Renteneintritt auszugleichen. Das kann sich rechnen: Die implizite Rendite liegt bei ca. 3 % — plus Hinterbliebenenversorgung und Inflationsanpassung. Auch die Tilgung der Immobilie sollte jetzt Priorität haben, damit du schuldenfrei in den Ruhestand gehst.

Prüfe die Optionen Altersteilzeit und Flexi-Rente: Seit 2023 gibt es keine Hinzuverdienstgrenze mehr bei vorgezogener Altersrente. Du kannst Teilzeit arbeiten und gleichzeitig Rente beziehen — ein stufenweiser Übergang, der finanziell und gesundheitlich sinnvoll sein kann. Seit 2026 gilt zudem die Aktivrente mit bis zu 2.000 € steuerfreiem Zuverdienst.

Wichtig: Verlagere dein Portfolio schrittweise in risikoärmere Anlagen. Eine Faustregel lautet: Der Aktienanteil sollte 100 minus Lebensalter betragen. Mit 55 wären das 45 % Aktien, 55 % Anleihen und Festgeld. So schützt du dein Vermögen vor einem Crash kurz vor Rentenbeginn.

Häufige Fehler & GRV-Lücken

05.1

Die 7 teuersten Fehler

Die folgenden Fehler kosten Hunderttausende Euro Altersvorsorge — und sind alle vermeidbar:

1. Zu spät anfangen: 10 Jahre Verzögerung halbieren das Endergebnis durch den verlorenen Zinseszins. Wer mit 25 statt 35 startet, braucht für dasselbe Ergebnis nur halb so viel monatliche Sparrate.

2. Nur auf die gesetzliche Rente vertrauen: Die GRV deckt maximal 48 % des Durchschnittseinkommens. Ohne private Vorsorge ist Altersarmut für viele vorprogrammiert.

3. Inflation ignorieren: Wer seine Rentenlücke ohne Inflationsbereinigung berechnet, unterschätzt den tatsächlichen Bedarf um 40–60 % über 30 Jahre.

4. Teure Versicherungsprodukte statt ETF: Klassische Lebensversicherungen und fondsgebundene Rentenversicherungen kosten oft 1,5–2,5 % pro Jahr an Gebühren. Ein ETF-Sparplan kostet 0,1–0,3 %. Über 30 Jahre fressen diese Kosten leicht 30–50 % der Rendite.

5. Keine Berufsunfähigkeitsversicherung: Jeder Vierte wird berufsunfähig. Ohne BU bricht nicht nur das Einkommen weg, sondern auch die Altersvorsorge. Die Erwerbsminderungsrente reicht zum Leben nicht aus.

6. Bestehende Verträge nie prüfen: Alte Verträge mit hohen Kosten und niedrigen Renditen laufen oft jahrzehntelang unbemerkt weiter. Ein regelmäßiger Check (alle 3–5 Jahre) kann Tausende Euro sparen.

7. Zu konservativ anlegen: Wer mit 30 sein gesamtes Vorsorgekapital auf dem Tagesgeldkonto parkt, verliert real Geld durch Inflation. Für lange Anlagehorizonte (20+ Jahre) sind Aktien-ETFs historisch die renditestärkste und — über lange Zeiträume — auch sicherste Anlageform.

05.2

GRV-Lücken schließen

Viele Versicherte haben Lücken in ihrem Rentenverlauf, ohne es zu wissen. Diese Lücken reduzieren die spätere Rente teilweise erheblich. Die häufigsten Ursachen: Nicht gemeldete Ausbildungszeiten (Studium, Schulzeit ab 17), fehlende Kindererziehungszeiten, Pflegezeiten und Zeiten der Arbeitslosigkeit ohne Leistungsbezug.

Kindererziehungszeiten sind besonders wertvoll: Pro Kind werden 3 Jahre Erziehungszeit angerechnet — das entspricht 3 Entgeltpunkten und bringt aktuell ca. 118 € mehr Rente pro Monat und Kind. Diese Zeiten müssen aktiv beantragt werden und werden nicht automatisch gutgeschrieben.

Auch Pflegezeiten können rentenrechtlich berücksichtigt werden, wenn du einen Angehörigen mindestens 10 Stunden pro Woche pflegst. Freiwillige Beiträge ermöglichen es zudem, Lücken nachträglich zu schließen — besonders sinnvoll für Selbstständige oder Personen mit kurzer Pflichtversicherungszeit. Eine Nachzahlung ist unter bestimmten Voraussetzungen bis zum 45. Lebensjahr für Ausbildungszeiten möglich.

Prüfe deinen Rentenverlauf auf der Website der Deutschen Rentenversicherung (meine-rente.de) oder fordere eine Kontenklärung an. Fehlende Zeiten können oft noch Jahre später nachgetragen werden — je früher du dich kümmerst, desto besser.

06

Häufige Fragen

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