Risikolebensversicherung für Freiberufler: Besonderheiten erklärt
Als Freiberufler trägst du eine besondere Verantwortung — nicht nur für dein eigenes Unternehmen, sondern auch für deine Familie und alle Menschen, die finanziell von dir abhängen. Doch gerade bei der Absicherung durch eine Risikolebensversicherung stehen Selbstständige und Freiberufler vor Herausforderungen, die Angestellte so nicht kennen. Versicherer stellen andere Fragen, verlangen mitunter zusätzliche Nachweise und kalkulieren das Risiko anders. Dieser Ratgeber erklärt dir, was du als Freiberufler wissen musst, worauf du bei der Antragstellung achten solltest und wie du die passende Police findest.
Warum Freiberufler eine Risikolebensversicherung besonders brauchen
Angestellte profitieren im Todesfall von mehreren Absicherungsebenen: Die gesetzliche Rentenversicherung zahlt unter Umständen eine Witwen- oder Witwerrente, der Arbeitgeber kann über betriebliche Altersvorsorge eine Hinterbliebenenleistung bieten, und staatliche Unterstützung springt zumindest teilweise ein. Als Freiberufler fehlen viele dieser Auffangnetze vollständig oder sind deutlich kleiner.
Bist du als Freiberufler nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert — was bei vielen Berufsgruppen wie Journalisten, Künstlern oder IT-Beratern der Fall ist — entfällt auch die Hinterbliebenenrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung ganz. Deine Familie stünde im schlimmsten Fall mit dem Wegfall deines gesamten Einkommens da, ohne jede staatliche Auffangleistung.
Hinzu kommt: Viele Freiberufler haben laufende Betriebsverbindlichkeiten. Ein Bürokredit, Leasingverträge für Technik oder eine Geschäftsräumilichkeit, die im Todesfall weiter Kosten verursacht — all das lastet dann auf den Schultern der Hinterbliebenen. Eine Risikolebensversicherung schließt genau diese Lücke und sorgt dafür, dass deine Familie und dein Betrieb auch im schlimmsten Fall handlungsfähig bleiben.
Wie Versicherer Freiberufler bei der Antragstellung bewerten
Versicherungsgesellschaften bewerten das Risiko eines Antragstellers anhand verschiedener Faktoren: Alter, Gesundheitszustand, Beruf und natürlich die gewünschte Versicherungssumme. Bei Freiberuflern kommt ein weiterer Aspekt hinzu — das Einkommen ist oft schwankend, was Versicherer bei der Plausibilitätsprüfung berücksichtigen.
Einkommensnachweise und Berufsbeschreibung
Während ein Angestellter einfach seine Gehaltsabrechnungen vorlegt, musst du als Freiberufler in der Regel folgende Unterlagen einreichen:
- Einkommensteuerbescheide der letzten zwei bis drei Jahre
- Aktuelle betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) oder Gewinn- und Verlustrechnung
- Ggf. Kontoauszüge zur Einkommensnachweisführung
Die Versicherungssumme darf bei den meisten Anbietern nicht beliebig hoch angesetzt werden. Üblich ist ein Vielfaches des Jahresnettoeinkommens — häufig das Fünf- bis Zehnfache. Wer also ein durchschnittliches Jahreseinkommen von 60.000 Euro netto erzielt, kann in der Regel eine Versicherungssumme von bis zu 300.000 bis 600.000 Euro beantragen, ohne dass Versicherer besondere Nachfragen stellen.
Beruf als Risikofaktor
Nicht jeder Freiberuf wird gleich bewertet. Ein freiberuflicher Unternehmensberater sitzt überwiegend am Schreibtisch und gilt als risikoarm. Ein freiberuflicher Dachdecker, Sprengmeister oder Taucher hingegen arbeitet unter gefährlichen Bedingungen — das schlägt sich im Beitrag nieder und kann bei manchen Versicherern sogar zur Ablehnung führen.
Für gefährliche Berufe lohnt es sich, einen unabhängigen Versicherungsmakler hinzuzuziehen, der den Markt kennt und weiß, welche Anbieter bestimmte Berufsgruppen noch zu akzeptablen Konditionen versichern. Über einen Risikoleben-Vergleich kannst du schnell sehen, welche Tarife für deinen Beruf und deine Versicherungssumme in Frage kommen.
Die richtige Versicherungssumme berechnen
Die häufigste Frage lautet: Wie hoch soll die Versicherungssumme sein? Als Faustformel gilt das Drei- bis Fünffache des Bruttojahreseinkommens — manche Experten empfehlen sogar das Sieben- bis Zehnfache, wenn Kinder im Haushalt leben oder hohe Verbindlichkeiten bestehen.
Beispielrechnung für einen Freiberufler
Stellen wir uns folgende Situation vor: Markus, 38 Jahre alt, ist freiberuflicher Grafikdesigner in Köln. Er verdient im Schnitt 75.000 Euro brutto im Jahr. Seine Frau arbeitet Teilzeit und verdient 1.800 Euro netto im Monat. Gemeinsam haben sie zwei Kinder (8 und 11 Jahre) und ein Immobiliendarlehen über noch ausstehende 180.000 Euro.
Markus berechnet seinen Absicherungsbedarf so:
- Immobiliendarlehen: 180.000 Euro
- Laufende Lebenshaltungskosten der Familie für 10 Jahre (Differenz zum Einkommen der Frau): ca. 150.000 Euro
- Puffer für Kindererziehung und Bildung: 50.000 Euro
- Gesamt: ca. 380.000 Euro
Markus entscheidet sich für eine Versicherungssumme von 400.000 Euro mit einer Laufzeit bis zum 60. Lebensjahr. Der monatliche Beitrag für einen Nichtraucher in seinem Alter und Gesundheitszustand liegt je nach Anbieter zwischen 35 und 55 Euro — also sehr überschaubar für den gebotenen Schutz.
Um zu verstehen, wie sich das Bruttoeinkommen in ein Nettoeinkommen übersetzt und welche Beiträge du dir leisten kannst, hilft dir der Brutto-Netto-Rechner weiter.
Steuerliche Besonderheiten für Freiberufler
Ein Thema, das oft übersehen wird: Kann ich die Beiträge zur Risikolebensversicherung als Betriebsausgabe absetzen? Die klare Antwort lautet: In aller Regel nein — zumindest nicht für eine private Risikolebensversicherung.
Die Beiträge gelten steuerlich als Sonderausgaben und können im Rahmen des Sonderausgabenabzugs für Vorsorgeaufwendungen geltend gemacht werden. Allerdings ist dieser Topf für Freiberufler meist schon durch Krankenversicherung und Pflegeversicherung ausgeschöpft, sodass die Risikolebensversicherung faktisch keine steuerliche Entlastung bringt.
Anders verhält es sich, wenn die Police betrieblich begründet ist — etwa als Schlüsselpersonenversicherung. Wenn ein Unternehmen eine Risikolebensversicherung auf das Leben eines Geschäftspartners oder einer unverzichtbaren Fachkraft abschließt, um den wirtschaftlichen Schaden im Todesfall abzufedern, kann diese Police unter bestimmten Voraussetzungen als Betriebsausgabe geltend gemacht werden. Hier solltest du unbedingt einen Steuerberater hinzuziehen, da die steuerliche Behandlung komplex ist.
Häufige Fehler und wie du sie vermeidest
Freiberufler machen bei der Risikolebensversicherung immer wieder dieselben Fehler. Wer sie kennt, kann sie umgehen.
Versicherungssumme zu niedrig ansetzen
Der häufigste Fehler: Man orientiert sich am monatlichen Beitrag statt am tatsächlichen Bedarf. Eine günstigere Police mit 150.000 Euro Versicherungssumme klingt verlockend, reicht aber bei einer Familie mit Immobilienkredit und mehreren Kindern bei weitem nicht aus. Lieber etwas mehr ausgeben und ausreichend abgesichert sein.
Gesundheitsfragen nicht sorgfältig beantworten
Im Antrag wirst du detailliert nach Vorerkrankungen, Operationen, Medikamenten und Arztbesuchen der letzten fünf bis zehn Jahre gefragt. Wer hier schummelt oder Kleinigkeiten verschweigt, riskiert im Leistungsfall die Anfechtung des Vertrags durch den Versicherer. Sei absolut ehrlich — auch wenn das bedeutet, dass du einen Risikozuschlag zahlen musst.
Laufzeit zu kurz wählen
Viele Freiberufler wählen eine Laufzeit, die nur bis zum geplanten Rentenalter reicht. Doch wenn du als Freiberufler keine oder nur geringe Rentenansprüche hast, brauchst du möglicherweise auch im Alter noch eine Absicherung. Prüfe, ob eine längere Laufzeit sinnvoll ist.
Keine Nachversicherungsgarantie vereinbaren
Dein Einkommen als Freiberufler kann wachsen — und damit auch dein Absicherungsbedarf. Viele Tarife bieten eine Nachversicherungsgarantie, die es dir erlaubt, die Versicherungssumme bei bestimmten Lebensereignissen (Heirat, Geburt eines Kindes, Immobilienkauf) ohne erneute Gesundheitsprüfung zu erhöhen. Diese Option solltest du von Anfang an einschließen.
Wer zusätzlich über eine Berufsunfähigkeitsabsicherung nachdenkt — was für Freiberufler ebenfalls dringend empfehlenswert ist — findet beim BU-Vergleich eine gute Übersicht über die Möglichkeiten.
Fazit: Absicherung ist für Freiberufler Pflicht, nicht Kür
Als Freiberufler trägst du ein unternehmerisches Risiko, das sich nicht nur auf dich selbst, sondern auf alle auswirkt, die finanziell von dir abhängen. Eine Risikolebensversicherung ist dabei eine der günstigsten und wirkungsvollsten Möglichkeiten, deine Familie im schlimmsten Fall abzusichern. Trotz einiger Besonderheiten — schwankende Einkommensnachweise, Berufsklassifizierung, steuerliche Grenzen — ist sie für die meisten Freiberufler problemlos abschließbar.
Nimm dir die Zeit, deinen tatsächlichen Absicherungsbedarf zu berechnen, beantworte alle Gesundheitsfragen sorgfältig und vergleiche mehrere Angebote miteinander. Die monatlichen Beiträge sind im Verhältnis zur gebotenen Sicherheit gering — und die Ruhe, die du dadurch gewinnst, ist unbezahlbar.
Häufige Fragen
Kann ich als Freiberufler ohne regelmäßiges Einkommen eine Risikolebensversicherung abschließen?
Ja, das ist grundsätzlich möglich. Allerdings verlangen die meisten Versicherer Einkommensnachweise der letzten zwei bis drei Jahre. Bei sehr schwankenden Einkünften oder einer erst kurzen Selbstständigkeit kann es zu Einschränkungen bei der maximalen Versicherungssumme kommen. Ein Vergleich mehrerer Anbieter hilft, den passenden Tarif zu finden.
Wie lange sollte die Laufzeit meiner Risikolebensversicherung sein?
Als Faustregel gilt: Die Laufzeit sollte mindestens bis zum Ende der finanziellen Verpflichtungen reichen — also bis das Immobiliendarlehen abbezahlt ist oder die Kinder finanziell unabhängig sind. Da Freiberufler oft keine gesetzliche Rentenversicherung haben, kann auch eine Laufzeit bis zum 67. oder sogar 70. Lebensjahr sinnvoll sein.
Was passiert, wenn ich im Antrag eine Vorerkrankung vergessen habe?
Das kann im Leistungsfall zur Anfechtung des Vertrags führen — der Versicherer zahlt dann möglicherweise nicht. Die vorvertragliche Anzeigepflicht verpflichtet dich, alle bekannten Gesundheitsumstände wahrheitsgemäß anzugeben. Im Zweifel lieber zu viel als zu wenig angeben und bei Unsicherheiten eine anonyme Voranfrage beim Versicherer stellen.
Ist eine Risikolebensversicherung für Freiberufler teurer als für Angestellte?
Nicht zwangsläufig. Der Beitrag hängt vor allem von Alter, Gesundheitszustand, Versicherungssumme, Laufzeit und Beruf ab — nicht vom Beschäftigungsstatus. Wer einen risikoarmen freiberuflichen Beruf ausübt, zahlt in der Regel denselben Beitrag wie ein vergleichbarer Angestellter. Lediglich bei gefährlichen Berufen oder beim Nachweis des Einkommens können Unterschiede entstehen.