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Depot für Rentner: Sichere Geldanlage im Alter

SmartFinanz Redaktion·8 Min. Lesezeit

Der Renteneintritt ist ein einschneidender Moment im Leben — nicht nur emotional, sondern auch finanziell. Plötzlich fließt kein regelmäßiges Gehalt mehr, stattdessen kommt eine monatliche Rente, die in vielen Fällen deutlich niedriger ausfällt als das frühere Einkommen. Wer jetzt sein Erspartes klug anlegt, kann diese Lücke schließen und den Ruhestand entspannt genießen. Doch wie sieht die richtige Anlagestrategie für Rentner aus? Worauf musst du bei einem Depot im Alter besonders achten? Dieser Ratgeber gibt dir konkrete Antworten und zeigt dir, wie du dein Vermögen sicher und renditestark verwaltest.


Warum ein Depot im Rentenalter sinnvoll ist

Viele Menschen denken, dass Geldanlage in Wertpapieren nur etwas für Jüngere ist. Das ist ein weit verbreiteter Irrtum. Auch mit 65, 70 oder sogar 75 Jahren kann ein gut strukturiertes Depot sinnvoll sein — und zwar aus mehreren Gründen.

Erstens ist die Lebenserwartung in Deutschland gestiegen. Wer heute mit 67 in Rente geht, kann statistisch gesehen noch 20 oder mehr Jahre vor sich haben. Das bedeutet, dass dein Kapital über einen langen Zeitraum arbeiten muss. Lässt du dein Geld auf dem Tagesgeldkonto liegen, verliert es durch die Inflation jedes Jahr an Kaufkraft. Zweitens bieten viele Rentner zwar eine staatliche Rente, aber die sogenannte Rentenlücke — also die Differenz zwischen dem letzten Nettoeinkommen und der Rente — ist oft erheblich. Hier kannst du mit einem Rentenlücken-Rechner schnell ermitteln, wie groß deine persönliche Lücke ist und wie viel zusätzliches Kapital du dafür benötigst.

Drittens sind die Zinsen auf klassische Sparprodukte nach wie vor überschaubar. Ein Depot mit einer durchdachten Mischung aus Aktien, Anleihen und ETFs kann langfristig deutlich mehr abwerfen — bei überschaubarem Risiko, wenn man die richtige Strategie wählt.


Welche Anlagestrategie passt zu Rentnern?

Die wichtigste Frage lautet: Wie viel Risiko kannst und willst du tragen? Im Rentenalter gilt generell, dass Kapitalerhalt Vorrang vor maximaler Rendite hat. Trotzdem solltest du nicht auf jede Form von Rendite verzichten — sonst leidet die Kaufkraft deines Vermögens.

Eine bewährte Faustregel besagt, dass der Aktienanteil im Depot grob dem Wert "100 minus Lebensalter" entsprechen sollte. Mit 70 Jahren wären das also rund 30 Prozent Aktien, 70 Prozent sichere Anlagen wie Anleihen, Tagesgeld oder Festgeld. Diese Regel ist natürlich nicht in Stein gemeißelt, aber sie gibt eine gute Orientierung.

Für Rentner empfehlen sich vor allem folgende Anlageklassen:

Breit gestreute ETFs: Exchange Traded Funds auf globale Indizes wie den MSCI World bieten Diversifikation zu sehr geringen Kosten. Ein ETF auf den MSCI World hat historisch eine durchschnittliche Rendite von etwa sieben bis acht Prozent pro Jahr erzielt — über alle Krisen hinweg. Selbst wenn du heute mit 67 in diesen ETF investierst, profitierst du über 15 bis 20 Jahre erheblich von dieser Rendite.

Anleihen-ETFs: Diese bieten regelmäßige Ausschüttungen und sind deutlich stabiler als Aktien. Besonders Staatsanleihen aus stabilen Ländern gelten als verlässliche Einkommensquelle.

Dividendenstarke Einzelaktien: Aktien von Unternehmen mit hoher und stabiler Dividende können eine Art "Rente aus dem Depot" schaffen. Unternehmen wie Versorger, Konsumgüterkonzerne oder Pharmaunternehmen zahlen oft vier bis sechs Prozent Dividendenrendite pro Jahr.

Tagesgeld und Festgeld: Für den Teil des Vermögens, den du kurzfristig benötigst oder im Notfall verfügbar haben musst, eignen sich liquide Produkte.


Das richtige Depot für Rentner auswählen

Nicht jedes Depot ist gleich. Für Rentner sind bestimmte Merkmale besonders wichtig: niedrige Gebühren, einfache Bedienung, guter Kundenservice und eine klare Übersicht über das Vermögen. Wer jetzt ein neues Depot eröffnen oder wechseln möchte, sollte einen aktuellen Depot-Vergleich nutzen, um die besten Anbieter für die eigene Situation zu finden.

Gebühren: Im Rentenalter entnimmst du Kapital, statt es anzuhäufen. Deshalb sind Transaktionskosten besonders wichtig. Hohe Ordergebühren fressen über die Zeit einen erheblichen Teil deiner Rendite auf. Online-Broker wie Neobroker bieten inzwischen sehr günstige Konditionen — oft null Euro pro Order für ETFs.

Benutzerfreundlichkeit: Manche Plattformen sind sehr technisch und komplex. Für Rentner, die vielleicht nicht täglich am Rechner sitzen, ist eine übersichtliche Oberfläche und ein guter telefonischer Kundendienst wichtig.

Depotgebühren: Viele Anbieter verlangen keine jährliche Depotgebühr mehr. Wer noch ein altes Depot bei einer Filialbank hat, zahlt dort manchmal bis zu 50 Euro pro Jahr — ohne Mehrwert.

Steuerliches Handling: Ein gutes Depot übernimmt automatisch die Kapitalertragsteuer und stellt dir eine übersichtliche Steuerbescheinigung aus. Das erleichtert die Steuererklärung erheblich.

Freistellungsauftrag: Denk daran, deinen Freistellungsauftrag korrekt zu hinterlegen. Seit 2023 liegt der Sparerpauschbetrag bei 1.000 Euro für Einzelpersonen und 2.000 Euro für Ehepaare. Gewinne, Dividenden und Zinsen bis zu dieser Höhe bleiben steuerfrei.


Entnahmestrategien: So lebst du im Alter vom Depot

Ein Depot anzulegen ist das eine — aber wie entnimmst du im Rentenalter klug Geld, ohne dein Kapital zu früh aufzubrauchen? Hier gibt es verschiedene Ansätze, die du kennen solltest.

Die Vier-Prozent-Regel: Diese aus den USA stammende Faustregel besagt, dass du jährlich vier Prozent deines Depotwertes entnehmen kannst, ohne das Kapital in 30 Jahren aufzubrauchen. Bei einem Depot von 200.000 Euro wären das also 8.000 Euro pro Jahr oder rund 667 Euro pro Monat. Diese Summe kann eine wertvolle Ergänzung zur gesetzlichen Rente sein.

Ausschüttende ETFs und Dividenden: Statt Kapital zu verkaufen, kannst du auf Ausschüttungen setzen. ETFs, die Dividenden ausschütten, überweisen dir regelmäßig Geld auf dein Konto — du musst keine Anteile verkaufen. Das ist psychologisch angenehmer und erhält den Kapitalstock.

Der Sicherheitspuffer: Experten empfehlen, immer einen Teil des Vermögens — etwa zwei bis drei Jahresausgaben — in sicheren, liquiden Anlagen zu halten. So musst du Aktienanteile nicht in einer Kurskorrektur verkaufen, wenn du Geld brauchst.

Dynamische Entnahme: In guten Börsenjahren nimmst du etwas mehr, in schlechten Jahren etwas weniger. Diese Flexibilität schützt dein Depot und verlängert seine Lebensdauer erheblich.

Ein konkretes Zahlenbeispiel: Angenommen, du bist 67, hast 250.000 Euro gespart und deine Rente beträgt 1.400 Euro netto im Monat. Dein Bedarf liegt bei 2.000 Euro. Die Lücke von 600 Euro pro Monat entspricht 7.200 Euro pro Jahr. Nach der Vier-Prozent-Regel reicht dein Depot von 250.000 Euro dafür mehr als 30 Jahre — besonders wenn es weiterhin eine bescheidene Rendite von drei bis fünf Prozent erzielt.


RoboAdvisor als Alternative für bequeme Geldanlage

Nicht jeder Rentner möchte sein Depot selbst verwalten. Wer keine Lust hat, sich regelmäßig mit Kursen, Rebalancing und Marktentwicklungen zu beschäftigen, kann einen RoboAdvisor nutzen. Diese digitalen Vermögensverwalter erstellen automatisch ein auf dich zugeschnittenes Portfolio, passen es regelmäßig an und erledigen das Rebalancing automatisch.

Die Kosten liegen meist zwischen 0,3 und 0,8 Prozent des angelegten Kapitals pro Jahr — deutlich günstiger als ein klassischer Bankberater, der oft ein Prozent oder mehr verlangt. Die Anlagestrategien von RoboAdvisors sind in der Regel gut diversifiziert und auf verschiedene Risikoklassen abgestimmt. Du kannst beim Onboarding angeben, dass du im Rentenalter bist und eher konservativ anlegen möchtest — das System passt dein Portfolio entsprechend an. Einen Überblick über die besten Anbieter findest du im RoboAdvisor-Vergleich.


Fazit: Depot im Alter ist kein Widerspruch

Ein gut strukturiertes Depot gehört auch im Ruhestand zur klugen Finanzplanung. Es schützt dein Vermögen vor Inflation, schafft zusätzliche Einnahmen und gibt dir finanzielle Freiheit. Entscheidend sind eine konservative, aber nicht zu defensive Strategie, niedrige Kosten und eine kluge Entnahmestrategie.

Du musst dabei kein Börsenexperte sein. Mit breit gestreuten ETFs, einem klaren Entnahmeplan und eventuell der Unterstützung durch einen RoboAdvisor kannst du dein Depot auch im Alter entspannt und erfolgreich führen. Vergleiche zunächst die Anbieter, wähle das passende Depot und leg los — dein Kapital sollte für dich arbeiten, nicht umgekehrt.


Häufige Fragen

Ist ein Depot im Rentenalter sinnvoll?

Ja, absolut. Da die Lebenserwartung gestiegen ist und die Rentenlücke für viele Menschen erheblich ist, kann ein Depot eine wichtige Einkommensquelle im Alter sein. Selbst mit 70 Jahren hast du statistisch noch 15 oder mehr Jahre, in denen dein Kapital wachsen kann.

Wie viel Risiko darf ich als Rentner eingehen?

Das hängt von deiner persönlichen Situation ab. Als Faustregel gilt: Aktienanteil = 100 minus Lebensalter. Mit 70 Jahren wären das etwa 30 Prozent Aktien. Wichtig ist, dass du immer einen Sicherheitspuffer in liquiden Anlagen hältst, damit du in Krisenzeiten keine Aktien verkaufen musst.

Welche Steuern fallen auf Depot-Erträge an?

Auf Kursgewinne, Dividenden und Zinsen fällt in Deutschland die Kapitalertragsteuer von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag an. Der Sparerpauschbetrag liegt 2026 bei 1.000 Euro für Einzelpersonen. Bis zu dieser Grenze sind Erträge steuerfrei — vorausgesetzt, du hast einen Freistellungsauftrag hinterlegt.

Was ist besser: selbst anlegen oder einen RoboAdvisor nutzen?

Das kommt auf deine Kenntnisse und dein Interesse an. Wer sich gerne mit Finanzen beschäftigt, kann mit einem selbst verwalteten ETF-Depot sehr kostengünstig anlegen. Wer lieber alles automatisch regeln lassen möchte, ist mit einem RoboAdvisor gut bedient. Die Kosten sind dort etwas höher, aber immer noch weit günstiger als klassische Bankberatung.

Fragen zum Thema? Frag Mel — sie hilft dir weiter.

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