Depot für Familien: Vermögensaufbau für Kinder starten
Wer früh anfängt, hat am Ende mehr — das gilt beim Vermögensaufbau für Kinder ganz besonders. Die Zeit ist beim Investieren der stärkste Verbündete, den man haben kann. Eltern, Großeltern oder Paten, die heute für ein Kind ein Depot eröffnen und regelmäßig Geld einzahlen, legen damit den Grundstein für finanzielle Unabhängigkeit im Erwachsenenalter. In diesem Ratgeber erfährst du, wie du ein Kinderdepot einrichtest, welche Anlageformen sich eignen, was steuerlich zu beachten ist und wie du mit kleinen monatlichen Beträgen über die Jahre ein beachtliches Vermögen aufbaust.
Warum ein Depot für Kinder sinnvoller ist als ein Sparbuch
Viele Familien setzen nach wie vor auf das klassische Sparbuch, wenn es um das Ersparte für den Nachwuchs geht. Das ist verständlich, denn Sparbücher wirken sicher und unkompliziert. Doch der Blick auf die Zahlen zeigt schnell, warum ein Wertpapierdepot langfristig weit überlegen ist.
Angenommen, du legst monatlich 50 Euro für dein Kind an. Auf einem Tagesgeldkonto mit einem Zinssatz von derzeit rund 2,5 Prozent pro Jahr wächst dieses Geld über 18 Jahre auf etwa 13.700 Euro an. Mit einem breit gestreuten ETF auf den MSCI World, der historisch eine durchschnittliche jährliche Rendite von etwa 7 bis 8 Prozent erzielt hat, könnte dieselbe monatliche Einzahlung auf über 22.000 Euro anwachsen — bei identischem Aufwand, aber einem deutlich stärkeren Zinseszinseffekt.
Natürlich trägt ein Aktiendepot Schwankungsrisiken, die ein Sparbuch nicht hat. Doch genau hier kommt der Zeitfaktor ins Spiel: Wer 18 Jahre oder länger anlegt, kann Börsentiefs aussitzen und profitiert statistisch gesehen sehr zuverlässig von langfristigen Aufwärtstrends der globalen Wirtschaft. Für Kinder, die erst in vielen Jahren auf das Geld zugreifen, ist dieses Risiko gut kalkulierbar.
Kinderdepot eröffnen: So geht es konkret
In Deutschland gibt es zwei gängige Wege, ein Depot für Kinder einzurichten:
1. Depot auf den Namen des Kindes Hier ist das Kind der rechtliche Inhaber des Depots. Eltern oder Erziehungsberechtigte verwalten das Konto bis zur Volljährigkeit. Ab dem 18. Geburtstag gehört das Depot vollständig dem Kind — darauf solltest du dich von Anfang an einstellen.
2. Depot auf den eigenen Namen mit Zweckbindung Alternativ führst du ein eigenes Depot, das du gedanklich für dein Kind reservierst. Das gibt dir mehr Kontrolle, bedeutet aber, dass du steuerlich als Inhaber giltst und eventuelle Freibeträge des Kindes nicht nutzen kannst.
Für die meisten Familien ist die erste Variante die bessere Wahl, da Kinder in Deutschland einen eigenen Sparerpauschbetrag von derzeit 1.000 Euro jährlich haben. Kapitalerträge bis zu dieser Höhe bleiben steuerfrei — eine Möglichkeit, die beim eigenen Depot verloren ginge. Um diesen Freibetrag zu nutzen, solltest du beim depotführenden Institut einen Freistellungsauftrag auf den Namen des Kindes einrichten.
Beim Vergleich der Anbieter lohnt sich ein genauer Blick: Ein Depot-Vergleich zeigt dir, welche Broker besonders günstige Konditionen für Kinderdepots anbieten, welche Sparplanoptionen verfügbar sind und ob Depotgebühren anfallen.
Die Kontoeröffnung selbst ist unkompliziert: Du benötigst die Geburtsurkunde des Kindes sowie deinen eigenen Personalausweis. Viele Online-Broker ermöglichen die Eröffnung vollständig digital per Video-Ident-Verfahren.
Die richtige Anlagestrategie für das Kinderdepot
Wenn das Depot steht, stellt sich die entscheidende Frage: Was kauft man eigentlich? Hier empfehlen Experten in der Regel eine klare, kostengünstige Strategie mit ETFs.
ETFs als Kernbaustein Exchange Traded Funds (ETFs) sind börsengehandelte Indexfonds, die einen bestimmten Marktindex wie den MSCI World oder den FTSE All World nachbilden. Sie streuen das Kapital automatisch über Hunderte oder Tausende von Unternehmen weltweit und haben im Vergleich zu aktiv verwalteten Fonds sehr niedrige laufende Kosten (TER) von oft unter 0,25 Prozent pro Jahr.
Für ein Kinderdepot eignet sich ein einfaches Konstrukt:
- 70 bis 80 Prozent: Welt-ETF (z.B. auf MSCI World oder FTSE All World)
- 20 bis 30 Prozent: Emerging-Markets-ETF für zusätzliche Wachstumschancen — oder schlicht ein FTSE All World, der beides bereits enthält
Diese Kombination deckt mehrere tausend Unternehmen aus aller Welt ab und sorgt für maximale Diversifikation bei minimalen Kosten.
Sparplan statt Einmalanlage Statt einmal eine größere Summe zu investieren, empfiehlt sich für Familien der monatliche Sparplan. Du legst fest, dass automatisch ein bestimmter Betrag vom Konto abgebucht und in den ETF investiert wird — zum Beispiel 25, 50 oder 100 Euro monatlich. Viele Broker bieten solche Sparpläne bereits ab 1 Euro monatlich an, oft sogar ohne Ausführungsgebühren.
Der große Vorteil: Durch den sogenannten Cost-Average-Effekt kaufst du bei hohen Kursen weniger Anteile und bei niedrigen Kursen mehr. Das glättet den Einstiegszeitpunkt über die Jahre und reduziert das Risiko, genau zum falschen Moment einzusteigen.
Mit dem ETF-Sparplan-Vergleich findest du Anbieter, die besonders günstige oder sogar kostenlose Sparpläne anbieten — das spart über 18 Jahre gerechnet eine beachtliche Summe.
Steuerliche Besonderheiten beim Kinderdepot
Das deutsche Steuerrecht bietet beim Depot für Kinder einige Möglichkeiten, die du kennen solltest.
Sparerpauschbetrag des Kindes Wie bereits erwähnt, hat jedes Kind ab Geburt einen eigenen Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro pro Jahr. Das bedeutet: Kapitalerträge bis zu dieser Höhe — also Dividenden, Zinsen und realisierte Kursgewinne — bleiben vollständig steuerfrei. Für ein Kinderdepot, das über viele Jahre läuft, kann das erheblich sein.
Freistellungsauftrag einrichten Damit der Freibetrag automatisch berücksichtigt wird, musst du beim Broker einen Freistellungsauftrag auf den Namen des Kindes stellen. Das geht in der Regel online innerhalb weniger Minuten.
Günstigerprüfung beim Lohnsteuerausgleich Überschreiten die Einkünfte des Kindes den Sparerpauschbetrag, kann unter Umständen eine Günstigerprüfung im Rahmen der Steuererklärung sinnvoll sein. Kinder haben einen eigenen Grundfreibetrag, der 2026 bei 11.784 Euro liegt. Kapitalerträge können über die Anlage KAP in der Steuererklärung angegeben werden, falls die pauschal einbehaltene Abgeltungsteuer höher wäre als die individuelle Steuerbelastung.
Schenkungssteuer beachten Zahlungen von Eltern, Großeltern oder anderen Verwandten in ein Kinderdepot gelten steuerrechtlich als Schenkungen. Hier greift das Schenkungssteuerrecht mit entsprechenden Freibeträgen: Kinder können von jedem Elternteil alle zehn Jahre bis zu 400.000 Euro steuerfrei erhalten, von Großeltern jeweils bis zu 200.000 Euro. Für die meisten Familien spielen diese Grenzen beim Vermögensaufbau für Kinder keine Rolle — aber es lohnt sich, das im Hinterkopf zu behalten.
Typische Fehler beim Kinderdepot und wie du sie vermeidest
Auch gut gemeinte Geldanlagen können in die falsche Richtung laufen, wenn man bestimmte Fallstricke nicht kennt.
Fehler 1: Zu komplizierte Strategie wählen Viele Eltern versuchen, das Depot mit Einzelaktien, Branchen-ETFs und Rohstoffen zu optimieren. Das führt oft zu höheren Kosten und mehr Aufwand, ohne dass die Rendite systematisch besser wird. Ein einziger globaler ETF im Sparplan reicht für die meisten Familien völlig aus.
Fehler 2: In schlechten Börsenphasen aussteigen Gerade wenn die Märkte fallen, neigen Anleger dazu, den Sparplan zu pausieren oder ETF-Anteile zu verkaufen. Das ist genau der falsche Zeitpunkt: In Korrekturphasen kauft man günstig nach und legt damit den Grundstein für überdurchschnittliche Renditen, sobald sich die Märkte erholen.
Fehler 3: Kein Freistellungsauftrag einrichten Ohne Freistellungsauftrag führt die Bank automatisch 25 Prozent Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag ab — auch wenn das Kind die 1.000-Euro-Grenze gar nicht überschreitet. Das verschenkt bares Geld.
Fehler 4: Das Depot vergessen Ein einmal eingerichteter Sparplan läuft zwar automatisch, sollte aber einmal jährlich überprüft werden. Passt die Sparrate noch zur aktuellen Lebenssituation? Ist der ETF noch günstig und breit gestreut? Ein kurzer Blick pro Jahr genügt. Mit dem SmartFinanz-Score kannst du außerdem regelmäßig prüfen, ob deine gesamte Finanzstrategie noch zur aktuellen Lebenssituation passt.
Fazit: Früh anfangen und konsequent bleiben
Ein Depot für Kinder ist eine der sinnvollsten finanziellen Entscheidungen, die Eltern und Großeltern treffen können. Wer früh anfängt, nutzt den mächtigen Zinseszinseffekt über viele Jahre und schafft damit eine solide Grundlage — sei es für das Studium, den Führerschein, die erste eigene Wohnung oder den Start ins Berufsleben.
Die wichtigsten Punkte zusammengefasst: Depot auf den Namen des Kindes eröffnen, Freistellungsauftrag einrichten, einen kostengünstigen ETF-Sparplan auf einen globalen Index anlegen und konsequent weiterbesparen — auch wenn die Märkte einmal schwächeln. Du musst kein Finanzexperte sein, um das umzusetzen. Mit den richtigen Werkzeugen und einem klaren Plan ist es einfacher als gedacht.
Häufige Fragen
Wie viel Geld sollte ich monatlich für mein Kind anlegen?
Das hängt von deinem Budget ab. Schon 25 Euro monatlich machen über 18 Jahre einen deutlichen Unterschied. Wenn möglich, sind 50 bis 100 Euro monatlich ein guter Richtwert, um dem Kind zum 18. Geburtstag ein ordentliches Startkapital zu ermöglichen. Wichtiger als die Höhe ist die Kontinuität: Regelmäßig und langfristig anlegen schlägt unregelmäßige Großeinzahlungen in den meisten Szenarien.
Kann mein Kind das Geld mit 18 Jahren sofort abheben?
Ja. Wenn das Depot auf den Namen des Kindes läuft, gehört es ab dem 18. Geburtstag vollständig dem Kind — ohne Einschränkungen. Deshalb ist es sinnvoll, Kinder frühzeitig an das Thema Finanzen heranzuführen, damit sie den Wert des Ersparten kennen und verantwortungsvoll damit umgehen.
Welcher ETF eignet sich am besten für ein Kinderdepot?
Für die meisten Familien ist ein ETF auf den MSCI World oder FTSE All World die beste Wahl. Diese Indizes decken tausende Unternehmen aus den Industrieländern und Schwellenländern ab, haben sehr niedrige laufende Kosten und werden von allen großen Brokern als Sparplan angeboten. Wichtig: auf den TER (Gesamtkostenquote) achten — dieser sollte unter 0,25 Prozent liegen.
Müssen Eltern die Kapitalerträge des Kindes in der Steuererklärung angeben?
Nicht zwingend. Solange ein Freistellungsauftrag eingerichtet ist und die Erträge den Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro nicht überschreiten, fällt keine Steuer an. Werden die Erträge höher, kann es sinnvoll sein, über die Anlage KAP in der Steuererklärung eine Günstigerprüfung zu beantragen — insbesondere dann, wenn das Gesamteinkommen des Kindes unter dem Grundfreibetrag liegt.