Altersvorsorge

Riester, Rürup, bAV: Welche Altersvorsorge passt zu dir?

SmartFinanz Redaktion·8 Min. Lesezeit
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Riester, Rürup, bAV: Welche Altersvorsorge passt zu dir?

Geförderte Altersvorsorge — Drei Wege im Überblick Riester-Rente Zulagen + Steuervorteil 175 € Grundzulage/Jahr 300 € pro Kind/Jahr ✓ Ideal: Familien, Geringverdiener ✗ Hohe Kosten, starre Regeln Für: Angestellte, Beamte Rürup-Rente (Basis) Hoher Steuerabzug Bis 27.566 € absetzbar (2026) 100 % Sonderausgabenabzug ✓ Ideal: Gutverdiener, Selbstständige ✗ Nicht vererbbar, nicht kündbar Für: Selbstständige, Freiberufler bAV (betriebliche AV) Arbeitgeber-Zuschuss Mind. 15 % AG-Zuschuss (Pflicht) Steuer- und SV-frei einzahlen ✓ Ideal: Wenn AG großzügig zuschießt ✗ Voll steuerpflichtig bei Auszahlung Für: Arbeitnehmer

Neben dem ETF-Sparplan und der privaten Rentenversicherung gibt es drei staatlich geförderte Vorsorgewege: Riester, Rürup und die betriebliche Altersvorsorge. Jeder hat seine Zielgruppe, seine Vorteile und seine Haken. In diesem Ratgeber ordnen wir die drei Optionen ein — ehrlich und ohne Verkaufsinteresse.

Die Riester-Rente: Zulagen-Modell für Familien

Die Riester-Rente wurde 2002 eingeführt, um die Kürzungen bei der gesetzlichen Rente auszugleichen. Das Prinzip: Du zahlst ein, der Staat legt Zulagen drauf und du kannst die Beiträge steuerlich absetzen.

Zulagen 2026:

  • Grundzulage: 175 € pro Jahr für den Sparer
  • Kinderzulage: 300 € pro Jahr pro Kind (ab Geburtsjahr 2008; 185 € für ältere Kinder)
  • Berufseinsteigerbonus: einmalig 200 € (unter 25 Jahren)

Um die volle Zulage zu bekommen, musst du mindestens 4 % deines Bruttojahreseinkommens (abzüglich der Zulagen) einzahlen — maximal 2.100 € im Jahr. Zahlst du weniger, werden die Zulagen anteilig gekürzt.

Steuerlicher Vorteil: Die Riester-Beiträge (bis 2.100 €/Jahr) sind als Sonderausgaben absetzbar. Das Finanzamt prüft automatisch, ob der Sonderausgabenabzug oder die Zulagen für dich günstiger sind (Günstigerprüfung). Gutverdiener profitieren stärker vom Steuerabzug, Geringverdiener mit Kindern stärker von den Zulagen.

Nachteile:

  • Im Alter wird die komplette Rente mit dem persönlichen Steuersatz versteuert (nachgelagerte Besteuerung)
  • Viele Riester-Verträge haben hohe Kosten, die die Rendite auffressen
  • Die Beitragsgarantie (du bekommst mindestens deine Einzahlungen + Zulagen zurück) zwingt Anbieter zu konservativer Anlage — das drückt die Rendite
  • Kündigung ist teuer (Zulagen und Steuervorteile müssen zurückgezahlt werden)
  • Verrentungspflicht: Mindestens 70 % müssen als lebenslange Rente ausgezahlt werden

Für wen sinnvoll? Familien mit mehreren Kindern und niedrigem bis mittlerem Einkommen. Hier ist das Verhältnis von Zulagen zu Eigenbeitrag am besten. Beispiel: Eine Mutter mit zwei Kindern (nach 2008) bekommt 775 € Zulagen im Jahr. Wenn sie nur den Mindestbeitrag von 60 €/Jahr einzahlt, ist die "Rendite" auf den Eigenbeitrag enorm hoch.

Die Rürup-Rente (Basisrente): Steuerturbo für Gutverdiener

Die Rürup-Rente wurde 2005 als steuerlich geförderte Altersvorsorge primär für Selbstständige eingeführt, die keinen Zugang zu Riester oder bAV haben. Sie funktioniert ähnlich wie die gesetzliche Rente — nur privat.

Steuerlicher Vorteil: Rürup-Beiträge sind als Sonderausgaben absetzbar — 2026 zu 100 %, bis zu 27.566 € (Ledige) bzw. 55.132 € (Verheiratete). Bei einem Grenzsteuersatz von 42 % spart eine Einzahlung von 10.000 € rund 4.200 € Steuern. Das ist ein enormer Hebel.

Nachteile:

  • Nicht kündbar — eingezahltes Geld ist unwiderruflich gebunden
  • Nicht beleihbar, nicht vererbbar (nur eingeschränkt an Ehepartner)
  • Auszahlung nur als lebenslange Rente, keine Kapitalauszahlung möglich
  • Im Alter voll steuerpflichtig (nachgelagerte Besteuerung, ab 2058 zu 100 %)
  • Kein Kapitalwahlrecht

Für wen sinnvoll? Gutverdiener mit hohem Grenzsteuersatz (ab 42 %) und Selbstständige, die keine GRV-Beiträge zahlen. Auch für Angestellte mit hohem Einkommen kann Rürup als Ergänzung sinnvoll sein — wenn man die Unflexibilität akzeptiert.

Die betriebliche Altersvorsorge (bAV): Arbeitgeber-Boost

Die bAV läuft über den Arbeitgeber. Der häufigste Weg ist die Entgeltumwandlung: Du verzichtest auf einen Teil deines Bruttogehalts, der stattdessen in eine Altersvorsorge fließt — steuer- und sozialversicherungsfrei.

Arbeitgeberzuschuss: Seit 2022 muss der Arbeitgeber mindestens 15 % Zuschuss auf den umgewandelten Betrag geben (sofern er SV-Beiträge spart). Manche Arbeitgeber geben deutlich mehr — 20 %, 50 % oder sogar 100 % Matching sind keine Seltenheit.

Steuer- und SV-Ersparnis: Bis zu 302 €/Monat (2026) können steuer- und sozialversicherungsfrei in die bAV eingezahlt werden. Weitere 302 €/Monat sind steuerfrei, aber sozialversicherungspflichtig.

bAV-Beispiel: 200 € Entgeltumwandlung/Monat Ohne bAV: 200 € Brutto auszahlen lassen – Steuern (~42 %): -84 € – Sozialversicherung (~20 %): -40 € = 76 € Netto in der Tasche Mit bAV: 200 € + 15 % AG-Zuschuss + 30 € Arbeitgeberzuschuss Keine Steuern, keine SV-Abzüge = 230 € fließen in die Vorsorge

Nachteile:

  • Die bAV-Rente ist im Alter voll steuer- und krankenversicherungspflichtig — der sogenannte "Doppelverbeitragung"-Effekt bei der Krankenversicherung
  • Weniger GRV-Beiträge = niedrigere gesetzliche Rente
  • Die Tarifauswahl bestimmt der Arbeitgeber — oft teure Gruppentarife
  • Bei Jobwechsel kann die Mitnahme kompliziert sein

Für wen sinnvoll? Immer dann, wenn der Arbeitgeber großzügig zuschießt (20 %+ oder mehr). Die reinen 15 % Pflichtzuschuss reichen oft nicht, um die Nachteile (weniger GRV, volle Besteuerung im Alter) auszugleichen. Faustregel: Lohnt sich ab 20 % AG-Zuschuss richtig, ab 50 % ist es ein No-Brainer.

Der große Vergleich

KriteriumRiesterRürupbAV
FörderungZulagen + SteuervorteilHoher SonderausgabenabzugSteuer-/SV-frei + AG-Zuschuss
FlexibilitätGering (Verrentungspflicht)Sehr gering (nicht kündbar)Mittel (AG-abhängig)
KostenOft hochMittel bis hochAG-abhängig
Im AlterVoll steuerpflichtigVoll steuerpflichtigSteuer- + KV-pflichtig
Vererbbar?EingeschränktNur an EhepartnerJe nach Vertrag
Ideal fürFamilien, GeringverdienerSelbstständige, GutverdienerAN mit großzügigem AG

Was, wenn keiner der drei passt?

Ganz ehrlich: Für viele Menschen ist keiner der drei geförderten Wege die optimale Lösung. Ein kostengünstiger ETF-Sparplan schlägt oft alle drei Varianten — einfach weil die Kosten niedriger, die Flexibilität höher und die Rendite besser sind. Die staatliche Förderung klingt attraktiv, wird aber durch Kosten, Inflexibilität und nachgelagerte Besteuerung oft aufgefressen.

Die Ausnahmen:

  • Riester für Familien mit vielen Kindern und niedrigem Einkommen — da stimmt das Zulagen-Verhältnis
  • Rürup für Selbstständige mit hohem Steuersatz — die Steuerersparnis ist real und sofort spürbar
  • bAV mit großzügigem Arbeitgeberzuschuss — geschenktes Geld vom AG sollte man mitnehmen

Im Zweifel: Erst den ETF-Sparplan aufsetzen, dann prüfen, ob eine der geförderten Varianten als Ergänzung sinnvoll ist.

Fazit: Die richtige Mischung zählt

Es gibt nicht die eine perfekte Altersvorsorge. Die beste Strategie ist individuell und kombiniert mehrere Bausteine: einen ETF-Sparplan als Renditekern, dazu ggf. Riester/Rürup/bAV als steuerlich geförderte Ergänzung — aber nur, wenn die Konditionen stimmen. Lass dich nicht von Zulagen und Steuervorteilen blenden, sondern rechne nach, was unterm Strich mehr bringt.


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