Altersvorsorge

Rentenlücke berechnen: So viel fehlt dir im Alter

SmartFinanz Redaktion·7 Min. Lesezeit
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Rentenlücke berechnen: So viel fehlt dir im Alter

Deine Rentenlücke — Beispiel: 3.000 € Netto heute

Bedarf im Alter ~2.400 € / Monat (80 % vom Netto)

Gesetzl. Rente ~1.450 € / Monat (netto, Ø)

Lücke: ~950 € / Monat

= 11.400 € pro Jahr = 228.000 € über 20 Jahre Rente

Die gesetzliche Rente allein wird für die meisten Menschen nicht reichen, um ihren gewohnten Lebensstandard zu halten. Die Differenz zwischen dem, was du brauchst, und dem, was du bekommst, ist deine Rentenlücke. In diesem Ratgeber zeigen wir dir, wie du deine persönliche Rentenlücke berechnest — und was du dagegen tun kannst.

Was ist die Rentenlücke?

Die Rentenlücke (auch Versorgungslücke) ist die Differenz zwischen deinem finanziellen Bedarf im Alter und deiner voraussichtlichen Rente aus allen Quellen (gesetzliche Rente, betriebliche Altersvorsorge, private Vorsorge).

Faustregel: Im Alter brauchst du etwa 80 % deines letzten Nettoeinkommens, um deinen Lebensstandard zu halten. Manche Ausgaben fallen weg (Fahrtkosten, Berufskleidung, Sparraten), andere steigen (Gesundheit, Freizeit, Pflege).

So berechnest du deine Rentenlücke

Schritt 1: Bedarf im Alter ermitteln

Nimm dein aktuelles Nettoeinkommen und multipliziere es mit 0,8. Berücksichtige die Inflation: Bei 2 % Inflation und 30 Jahren bis zur Rente verdoppelt sich das Preisniveau fast. Dein heutiger Bedarf von 2.400 € entspricht dann ca. 4.300 € in 30 Jahren.

Schritt 2: Voraussichtliche Rente prüfen

Deine Renteninformation (kommt jährlich per Post ab 27) zeigt dir drei Werte:

  • Regelaltersrente: Was du bekommst, wenn du bis 67 so weitermachst wie bisher
  • Bei voller Erwerbsminderung: Rente bei dauerhafter Arbeitsunfähigkeit
  • Hochgerechnete Rente: Prognose bei gleichbleibenden Einzahlungen

Achtung: Diese Beträge sind brutto. Davon gehen noch Kranken- und Pflegeversicherung (ca. 11 %) sowie ggf. Steuern ab. Die Nettorente liegt rund 15–20 % unter dem Bruttowert.

Schritt 3: Differenz berechnen

Bedarf minus voraussichtliche Rente (netto) = deine Rentenlücke.

Rentenlücke nach Einkommensniveau (Beispiele) 2.000 € Netto Bedarf (80 %): 1.600 € GRV netto: ~1.050 € Lücke: 550 € = 132.000 € über 20 J. Sparrate nötig: ~200 €/Mon. 3.000 € Netto Bedarf (80 %): 2.400 € GRV netto: ~1.450 € Lücke: 950 € = 228.000 € über 20 J. Sparrate nötig: ~350 €/Mon. 5.000 € Netto Bedarf (80 %): 4.000 € GRV netto: ~1.850 € Lücke: 2.150 € = 516.000 € über 20 J. Sparrate nötig: ~700 €/Mon.

Sparraten basieren auf 30 Jahren Ansparphase bei 6 % durchschnittlicher Rendite (z. B. breit gestreuter ETF-Sparplan) und 20 Jahren Entnahmephase.

Warum ist die Rentenlücke so groß?

Das gesetzliche Rentenniveau liegt aktuell bei rund 48 % des Durchschnittseinkommens — und selbst das ist politisch umkämpft. Das bedeutet: Wer 45 Jahre lang den Durchschnitt verdient hat, bekommt als Rente weniger als die Hälfte. Wer weniger verdient hat oder Lücken in der Biografie hat (Studium, Kindererziehung, Arbeitslosigkeit, Selbstständigkeit), bekommt noch weniger.

Dazu kommt die Inflation: Eine Rente von 1.500 € hat in 20 Jahren bei 2 % Inflation nur noch eine Kaufkraft von rund 1.000 €. Die gesetzliche Rentenanpassung gleicht die Inflation nur teilweise aus.

Wie schließt du die Rentenlücke?

Es gibt drei Säulen der Altersvorsorge:

1. Gesetzliche Rente (1. Säule): Die Basis — reicht aber allein nicht. Über freiwillige Zusatzbeiträge oder bewusste Einzahlungen (z. B. für Studienzeiten) kannst du deine GRV-Rente etwas erhöhen.

2. Betriebliche Altersvorsorge (2. Säule): Über den Arbeitgeber. Seit 2019 muss der Arbeitgeber mindestens 15 % Zuschuss geben, wenn du per Entgeltumwandlung einzahlst. Besonders attraktiv, wenn der Arbeitgeber mehr zuschießt.

3. Private Vorsorge (3. Säule): ETF-Sparpläne, private Rentenversicherungen, Riester, Rürup, Immobilien. Hier hast du die größte Gestaltungsfreiheit und oft auch die beste Rendite.

Mehr dazu: ETF-Sparplan vs. Rentenversicherung: Was lohnt sich mehr? und Riester, Rürup, bAV: Welche Altersvorsorge passt zu dir?

Die wichtigsten Fehler bei der Rentenlückenplanung

Inflation ignorieren: 2.400 € Bedarf heute sind nicht 2.400 € in 30 Jahren. Rechne immer mit Inflation (mindestens 2 % pro Jahr).

Renteninformation für bare Münze nehmen: Die Beträge auf der Renteninformation sind brutto. Nach Abzug von KV, PV und Steuern bleibt deutlich weniger.

Zu spät anfangen: Jedes Jahr, das du wartest, macht den nötigen Sparbetrag größer. Wer mit 25 anfängt, braucht für das gleiche Ergebnis deutlich weniger monatliche Sparrate als jemand, der mit 40 startet — dank Zinseszinseffekt.

Nur eine Säule nutzen: Die Kombination aus GRV, bAV und privater Vorsorge ist fast immer besser als alles auf eine Karte zu setzen.

Fazit: Kenne deine Zahl

Deine Rentenlücke zu kennen ist der erste Schritt, sie zu schließen. Berechne deinen Bedarf, prüfe deine Renteninformation und starte mit dem Sparen — je früher, desto besser. Selbst kleine monatliche Beträge machen über Jahrzehnte einen enormen Unterschied.


Noch Fragen? Unser KI-Chat berät dich kostenlos und unverbindlich — rund um die Uhr. Oder nutze unseren Rentenlückenrechner für eine schnelle Berechnung.

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