Risikoleben

Versicherungssumme richtig berechnen: Eine Anleitung

SmartFinanz Redaktion·6 Min. Lesezeit
2.400€AbgesichertVersicherungssumme250.000€empfohlene Absicherung

Versicherungssumme richtig berechnen: Eine Anleitung

So berechnest du die richtige Versicherungssumme Einkommens- absicherung 3–5 × Jahres-Netto

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Schulden & Kredite Restschuld Immobilie etc.

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Kinder- absicherung ~50.000 € pro Kind

Vorhandenes Vermögen Ersparnisse, Depot = Deine optimale Versicherungssumme Lieber etwas zu hoch als zu niedrig ansetzen

Wie hoch sollte die Versicherungssumme deiner Risikolebensversicherung sein? Zu niedrig, und die Familie steht im Ernstfall trotzdem vor finanziellen Problemen. Zu hoch, und du zahlst unnötig viel Beitrag. In diesem Ratgeber zeigen wir dir eine bewährte Methode, um die richtige Summe zu berechnen.

Die Faustformel: 3–5 × Jahres-Netto

Die einfachste Annäherung: Nimm dein jährliches Nettoeinkommen und multipliziere es mit dem Faktor 3 bis 5. Bei 3.000 € Netto/Monat (36.000 € im Jahr) ergibt das eine Versicherungssumme von 108.000–180.000 €.

Diese Faustformel reicht für einen ersten Anhaltspunkt, berücksichtigt aber keine individuellen Faktoren wie Schulden, Kinderzahl oder vorhandenes Vermögen. Für eine genauere Berechnung nutze die folgende Methode.

Schritt-für-Schritt: Die individuelle Berechnung

Baustein 1: Einkommensersatz

Wie viel Nettoeinkommen muss für wie viele Jahre ersetzt werden? Die Antwort hängt vom Alter der Kinder und der Erwerbssituation des Partners ab.

Wenn der Partner nicht oder nur teilweise arbeitet: Rechne mit dem vollen Nettoeinkommen des Hauptverdieners multipliziert mit der Anzahl der Jahre, bis das jüngste Kind finanziell selbstständig ist (ca. 20–25 Jahre alt).

Wenn beide Partner Vollzeit arbeiten: Rechne mit der Differenz — wie viel fehlt, wenn ein Einkommen wegfällt? Oft reicht eine niedrigere Versicherungssumme.

Beispiel: 3.000 € Netto × 12 Monate × 10 Jahre (jüngstes Kind wird 18) = 360.000 €. In der Praxis reduziert man diesen Betrag, weil der Partner über die Jahre selbst mehr verdienen oder Unterstützung bekommen wird (Halbwaisenrente, Witwenrente). Ein Abschlag von 30–40 % ist realistisch: 216.000–252.000 €.

Baustein 2: Schulden und laufende Kredite

Alle Schulden, die im Todesfall weiter bestehen, müssen mit einberechnet werden:

  • Immobilienkredit: Restschuld (z. B. 250.000 €)
  • Autokredite: Restschuld
  • Sonstige Verbindlichkeiten: Konsumkredite, private Darlehen

Diese Summe wird komplett zur Versicherungssumme hinzugerechnet — denn im Todesfall soll der überlebende Partner schuldenfrei sein.

Baustein 3: Kinderabsicherung

Kinder verursachen Kosten — Betreuung, Ausbildung, Studium, Führerschein, erste Wohnung. Als Pauschale rechnet man mit 50.000–100.000 € pro Kind (je nach Alter und geplanter Ausbildung). Wer ein Studium finanzieren will, sollte eher am oberen Ende kalkulieren.

Baustein 4: Bestattung und Sofortkosten

Ein oft vergessener Posten: Bestattungskosten (5.000–10.000 €), Trauerfall-Sofortkosten (Umzug, Haushaltshilfe, Kinderbetreuung), ggf. Anwalts- und Erbschaftskosten. Rechne pauschal mit 10.000–15.000 €.

Abzug: Vorhandenes Vermögen

Ziehe von der Gesamtsumme ab, was bereits vorhanden ist:

  • Sparguthaben und Depot
  • Bestehende Kapitallebensversicherungen
  • Erwartete Hinterbliebenenrente (Witwen-/Witwer-Rente, Halbwaisenrente)
  • Bestehende betriebliche Todesfallleistungen
Beispielrechnung: Familie Müller 2 Kinder (4 und 7), Einkommen 4.000 € Netto, Immobilienkredit 280.000 € Absicherungsbedarf

Einkommensersatz (10 J. × 3.000 €/M.) 250.000 €

Immobilienkredit (Restschuld) 280.000 €

Kinderabsicherung (2 × 70.000 €) 140.000 €

Bestattung & Sofortkosten 15.000 €

Gesamt Bedarf: 685.000 €

– Vorhandenes Vermögen (Depot + Sparkonten) – 45.000 €

– Hinterbliebenenrente (Barwert, geschätzt) – 40.000 €

Empfohlene Versicherungssumme: 600.000 € Kosten: ca. 30–50 €/Monat (30 J., Nichtraucher, 25 J. Laufzeit) = 1–1,50 € pro Tag für 600.000 € Schutz

Häufige Fehler bei der Summenberechnung

Nur den Kredit absichern: Viele schließen eine RLV nur in Höhe der Restschuld ab. Das reicht nicht — die laufenden Lebenshaltungskosten der Familie fehlen dann komplett.

Inflation vergessen: 300.000 € Versicherungssumme haben in 20 Jahren nur noch eine Kaufkraft von rund 200.000 €. Bei langen Laufzeiten solltest du einen Puffer einplanen oder eine Dynamik vereinbaren.

Beide Partner gleich hoch versichern: Der Absicherungsbedarf ist selten symmetrisch. Der Hauptverdiener braucht oft eine höhere Summe als der Partner mit dem geringeren Einkommen. Berechne den Bedarf für jedes Szenario einzeln.

Hinterbliebenenversorgung überschätzen: Die gesetzliche Hinterbliebenenrente (Witwenrente, Halbwaisenrente) klingt besser als sie ist. Einkommensanrechnung, befristete Zahlungen und niedrige Beträge machen sie allein unzureichend.

Wie oft solltest du die Summe überprüfen?

Die Versicherungssumme solltest du bei jeder größeren Lebensveränderung überprüfen:

  • Geburt eines Kindes → Summe erhöhen
  • Hauskauf → Summe an Kreditbetrag anpassen
  • Gehaltserhöhung → ggf. erhöhen (Nachversicherungsgarantie nutzen)
  • Kinder werden selbstständig → Summe kann reduziert werden
  • Kredit abgezahlt → Summe anpassen

Nutze die Nachversicherungsgarantie deines Tarifs — damit kannst du bei bestimmten Anlässen die Summe ohne erneute Gesundheitsprüfung erhöhen.

Fazit: Lieber etwas mehr als zu wenig

Bei der Versicherungssumme gilt: Lieber etwas zu großzügig kalkulieren als im Ernstfall zu wenig haben. Der Beitragsunterschied zwischen 300.000 € und 400.000 € Versicherungssumme beträgt oft nur 5–10 €/Monat — aber der Unterschied im Todesfall ist 100.000 €. Nutze unsere Berechnung als Ausgangspunkt und passe sie an deine konkrete Situation an.


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